

Kann ein neues Buch über Wein auf einem im Prinzip gesättigten Markt noch neue Maßstäbe setzen? Ja, tatsächlich: es kann. Christina Fischer kann es jedenfalls, auch wenn der Titel ihres Werkes darauf gar nicht schließen lässt. Denn wer denkt schon bei „Weingenuss und Tafelfreuden“ an ein Buch, dass
1. eine hoch aktuelle, angriffslustige Einführung in das Thema Wein gibt. Hochaktuell weil sie alle Trends und Moden der letzten zehn jahre aufgreift, vom Riesling-Hype bis zum Faßausbau, angriffslustig, weil sie keine vorgefertigten Urteile unangetastet lässt. Da ist beispielsweise das Thema „Terroirwein“, ein Begriff, mit dem fast schon reflexartig hohe Qualität verbunden wird. Fischer gibt zu bedenken, dass Terroir, also die Ausrichtung des Geschmacksprofils auf das, ws Boden und Unterboden des Weinbergs hergeben auch Einseitigkeit bedeuten kann. Indem sie sich jederzeit bereit zeigt, auch die Medaille auf die andere Seite zu drehen, bekommt der Leser nicht nur eine, sondern viele Ein- und unterschiedliche Ansichten vermittelt.
2. würde man auch nicht zwingend erwarten, dass die vielen vorgestellten Kochrezepte stets von einem Kommentar begleitet werden. Indem genau und mit ernährungswissenschafltichen Hintergrund erklärt wird, warum der ausgewählte Wein mit dem ausgewählten Gericht so gut harmoniert. So lernt man z.B., dass es eine Eigenschaft von stärkehaltigen Produkten ist, Säure zu puffern und Bohnen deshalb eine gute Beilage für die säurereichen Rieslingweine sind.
Und 3. sieht man dem Buch von außen auch nicht an, dass es von einer brillanten und einfallreichen optischen Aufmachung ist. Es wirkt so appetitanregend wie einprägsam, dass für jede Rebsorte die Fischer vorstellt, ein Weinglas abfotografiert ist, voll mit jenen Erd-oder Baumfrüchten oder Kräutern, die gleichbedeutend mit dem Aromapotenzial der jeweiligen Rebsorten sind.
Das alles bereitet aufgelockertes Lesevergnügen, das durch eine zugepspitzte, dabei fast im Plauderton gehaltene Sprache noch gesteigert wird. Wenn Christina Fischer etwa über Riesling schreibt: „Die Diva macht in Jeans und kleinem Schwarzen eine gute Figur.“
dann ist das nicht nur ein witziges Bild, sondern vermittelt auch etwas über die Flexibilität dieser Rebsorte, die sowohl gute Tafel als auch hochklassige Edelweine hervorbringen kann.
Aber ein Makel findet sich dann doch, eigentlich das alte Lied. Die Rezeptvorschläge sind auf Restaurantniveau und deshalb mal wieder weit entfernt von der Kochwelt des Normalverbrauchers. Aber das soll das Urteil über ein Buch nicht zu sehr stören, dass Anfängern wie fortgeschrittenen Weingenießern in Wissen und Urteilsvermögen in großen Schlücken weiterbringt und in dem jede gelesenen Seite die Lust aufs Weintrinken enorm steigert. 
|